Lehmbackofen, Bernd Sprenger
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Bäume für Menschen

„Bäume auf die Dächer und Wälder in die Stadt“ - Unter diesem Titel hielt Conrad Amber – der berühmte Baum- und Stadtgrünlobbyist aus Österreich – am Abend des 22.10.2020 einen Vortrag im Audimax der Alten Parteischule. Zahlreiche Interessierte zog es zu diesem wichtigen Thema – auch für Erfurt – in den Saal. Der war mit etwa 70 ZuschauerInnen fast voll besetzt – unter Coronabedingungen. Gleichwohl fehlten nach Meinung der Anwesenden Vertreter aus Stadtplanung und Bauamt, die das Heft des Handelns in der Hand halten.

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Vortrag von Conrad Amber „Bäume auf die Dächer und Wälder in die Stadt“

Der Vortrag war Höhepunkt und Schlussakt in der Reihe „Stadt- und Waldbäume im Klimawandel“ unseres Vereins.
In dem reich bebilderten, sehr informativen und emotionalen Vortrag wurden viele Lanzen für Bäume und Stadtgrün gebrochen. Diese sind so wichtig für eine lebenswerte, vielfältige und erträgliche Stadt.
Bäume sind wahre Klimamaschinen, so Conrad Amber. Ausgewachsene Exemplare binden pro Jahr einige Tonnen Kohlendioxid, filtern 1 t Feinstaub und sorgen für Abkühlung. Eine Kompensation bei Baumfällungen wäre sofort nur mit eintausend Jungbäumen möglich. Ein oder zwei Pflanzungen – wie meist üblich - brauchen 70 Jahre, bis sich eine vergleichbare Wirkung entfaltet. Dies spricht für einen noch besseren und deutlich ambitionierteren Baumschutz von alten Bestandsbäumen.
Wie einfach und rechnerisch günstig die Anlage von Gründächern oder Fassadengrün ist, zeigten viele Bilder. Auch diese Art von Begrünung hat viele Vorteile – von Temperaturabsenkung über die Filterwirkung bis zum Hochwasserschutz, Gebäudedämmung oder Schallschutz.
Gleichwohl gibt es weiter viele Vorbehalte gegenüber Bäumen oder Gebäudegrün, die es auszuräumen gilt.
Stadtgrün ist der Faktor für eine lebenswerte und überlebensfähige Stadt. Höchste Zeit, diesem Umstand angemessen Rechnung zu tragen.

Am Nachmittag des 22.10.2020 fand bereits ein Stadtspaziergang mit Vertreterinnen des Stadtrats und einiger Umweltverbände bzw. –initiativen statt, um konkret auf einige Erfurter Verhältnisse einzugehen. Conrad Amber fand einiges Lob, hatte jedoch auch deutliche Hinweise für einen progressiveren Umgang mit Stadtgrün. Stellplätze könnten vollständig entsiegelt und durchlässiger gestaltet werden. Für Baumneupflanzungen sollte man durchaus auch Leitungen anders verlegen. Auch die Frage nach der Sinnhaftigkeit von noch mehr Stellflächen für PKW in Zeiten der Mobilitätswende wurde gestellt. Häufig fehle auch einfach der Wille für mehr Stadtgrün, so Amber. Wenn es daran nicht mangelt, ist auch die Umsetzung deutlich einfacher.

Die Bilder und Beispiele aus anderen Städten waren jedenfalls beeindruckend und haben bei den ZuschauerInnen die Lust nach mehr Grün nur noch mehr befeuert.

Mehr Informationen: www.conradamber.com

veröffentlicht von Flora Mirzoyan am 31.10.2020